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Sommerwandern, schnelles Gehen, längere Märsche oder andere Ausdauerbelastungen wirken auf den Körper anders als ein kurzer Spaziergang im Schatten. Wärme, direkte Sonne, steile Anstiege und schwüle Luft erhöhen den Flüssigkeitsverlust. Wer dann nur nach Gefühl trinkt, kommt oft zu spät. Gleichzeitig gilt: Nicht jede Person braucht dieselbe Trinkmenge, und bei Herz- oder Nierenerkrankungen ist eine pauschale Empfehlung sogar problematisch.
Hinweis: Die folgenden Informationen sind allgemeine Gesundheitsinformationen und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung. Wenn Sie Herzschwäche, eine chronische Nierenerkrankung, Dialyse, Blutdruckmedikamente oder andere relevante Vorerkrankungen haben, stimmen Sie Ihre Trinkmenge vor längeren Touren bitte medizinisch ab.
Gute Hydration bedeutet bei Hitze nicht nur Wasser nachzufüllen. Wer viel schwitzt, verliert auch Elektrolyte, vor allem Natrium, aber auch weitere Mineralstoffe. Für die meisten Sommerwanderungen reicht trotzdem normales Trinken mit Wasser, ungesüßtem Tee und einer passenden Mahlzeit. Elektrolytdrinks sind keine Pflicht und auch keine Abkürzung, um Warnzeichen des Körpers zu ignorieren. Sinnvoll werden sie vor allem dann, wenn Sie lange unterwegs sind, deutlich schwitzen oder unter besonderen gesundheitlichen Bedingungen stehen.
Warum Sommerwanderungen den Flüssigkeitshaushalt stärker belasten
Der Körper kühlt sich über Schweiß und Hautdurchblutung. Bei Hitze und körperlicher Belastung läuft dieses Kühlsystem auf höherer Stufe. Das kostet Wasser. Wenn Sie bergauf gehen, eine volle Packung tragen oder viele Stunden unterwegs sind, steigt die Wärmeproduktion zusätzlich. Dann kann der Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten deutlich höher sein als an einem normalen Tag im Alltag.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung weist darauf hin, dass bei hohem Energieumsatz und bei Hitze ein erhöhter Wasserbedarf besteht. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit betont außerdem, dass man bei körperlicher Belastung an heißen Tagen nicht erst auf Durst warten sollte. Durst ist ein nützliches Signal, aber oft ein spätes. Wer erst trinkt, wenn der Mund trocken ist oder Kopfschmerzen beginnen, ist häufig schon im Rückstand.
Für Sommerwanderungen heißt das praktisch: Planen Sie Getränke nicht als Nebensache, sondern als Teil der Tour. Schätzen Sie Strecke, Dauer, Schattenanteil, Höhenmeter und Pausen ehrlich ein. Eine zweistündige Tour auf kühlem Waldweg ist etwas anderes als ein sechs Stunden langer Weg über offene Felder. Je mehr Sonne, Windstille und körperliche Intensität zusammenkommen, desto wichtiger ist ein fester Trinkplan.
Wie Sie Trinken vor und während der Tour planen
Beginnen Sie die Tour nicht mit leerem Tank. Wenn Sie schon morgens wenig getrunken haben, wird die Belastung am Tag größer. Trinken Sie daher über den Vormittag verteilt regelmäßig kleine Mengen. Direkt vor dem Start brauchen Sie keinen großen Trinkvorrat im Magen, aber auch nicht den Fehler, erst auf dem Parkplatz alles nachzuholen. Gleichmäßigkeit ist sinnvoller als ein einzelner großer Becher kurz vor dem Losgehen.
Als alltagstaugliche Orientierung nennt die DGE für hitze- und belastungsarme Situationen rund 1,5 Liter kalorienarme Getränke am Tag; an heißen Tagen und nach dem Sport sollte mehr getrunken werden. Die BIÖG/BZgA empfiehlt für Erwachsene an heißen Tagen etwa zwei bis drei Liter über den Tag verteilt, bei körperlicher Belastung auch mehr. Für eine Wanderung ist daher keine starre Zahl wichtiger als der Rhythmus: Sie sollten unterwegs regelmäßig trinken, statt eine ganze Tagesmenge erst am Abend nachzuholen.
Die praktische Regel lautet: Nehmen Sie genug mit, um nicht von der nächsten Hütte, Tankstelle oder Quelle abhängig zu sein. Bei längeren Strecken ist ein Trinksystem sinnvoll, das Sie ohne Umstände erreichen. Wer erst den Rucksack absetzen muss, um an Wasser zu kommen, trinkt oft zu spät. Auf sonnigen oder windigen Strecken kann der Flüssigkeitsverlust leicht unterschätzt werden, weil Schweiß schneller verdunstet und die Belastung dadurch weniger spürbar ist.
Welche Getränke und Speisen unterwegs am besten tragen
Am unkompliziertesten sind Wasser und ungesüßter Tee. Die DGE nennt Mineral- und Trinkwasser sowie ungesüßte Kräuter- und Früchtetees als beste Durstlöscher. Verdünnte Saftschorlen können ebenfalls passen, besonders wenn Sie längere Zeit unterwegs sind und etwas Geschmack brauchen. Ein Mischungsverhältnis von einem Teil Saft zu drei Teilen Wasser ist für viele Alltagssituationen ein guter Kompromiss.
Wenn Sie Mineralwasser bevorzugen, können natriumreichere Sorten bei starkem Schwitzen sinnvoll sein. Die DGE schreibt, dass bei Hitze stärker natriumchloridhaltige Mineralwässer oder eine Prise Salz helfen können, Salzverluste auszugleichen. Das heißt nicht, dass Sie gezielt salzig trinken müssen. Es heißt nur, dass reines Wasser bei starkem Schwitzen nicht die einzige sinnvolle Option ist. Für die meisten Touren genügt dennoch eine normale Mischung aus Wasser und Essen.
Auch die Mahlzeiten spielen mit. Das BIÖG empfiehlt an heißen Tagen mehrere kleine, wasserreiche Mahlzeiten und nennt Obst, Gemüse, Salate und Suppen als geeignete Bausteine. Das ist auch für Wanderungen nützlich: Wer vor oder während der Tour etwas isst, das Wasser enthält und nicht schwer im Magen liegt, stabilisiert oft besser als mit sehr großen, fettigen Mahlzeiten. Alkohol ist als Durstlöscher nicht geeignet und erschwert die Einschätzung des eigenen Zustands.
Elektrolyte: was sie leisten und wann sie wirklich nötig sind
Elektrolyte sind geladene Mineralstoffe im Körper. Kalium, Natrium und Chlorid gehören zu den wichtigsten davon; sie unterstützen Nerven, Muskeln, Flüssigkeitshaushalt und Herzfunktion. Wenn Sie stark schwitzen, verlieren Sie nicht nur Wasser, sondern auch solche Mineralstoffe. Die Folge kann sein, dass Sie sich schlapp fühlen, krampfen oder schneller überhitzen. Dass Elektrolyte wichtig sind, bedeutet aber nicht automatisch, dass Sie vor jeder Wanderung ein Spezialgetränk brauchen.
Die vernünftigste Regel lautet: Für normale Sommerwanderungen reicht in der Regel Wasser plus normale Ernährung. Wer zwischendurch isst, gleicht Mineralstoffverluste meist mit der üblichen Kost aus. Das BIÖG hält bei starkem Schwitzen allerdings Brühe, leicht gesalzene Speisen oder elektrolythaltige Getränke für sinnvoll. Diese Ergänzung ist also eine Antwort auf deutlichen Verlust, nicht auf eine Marketingidee.
Vorsicht ist bei hochdosierten Tabletten, Pulvern oder Brausetabletten angebracht, wenn Sie Herz- oder Nierenprobleme haben oder salzarme Kost einhalten sollen. In solchen Fällen kann mehr Natrium oder Kalium gerade nicht hilfreich sein. Wenn Sie solche Produkte nutzen möchten, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Die beste Strategie ist meist ein bedarfsgerechter Einsatz statt einer pauschalen Dauerlösung.
Warnzeichen früh erkennen und richtig reagieren
Hitzebeschwerden beginnen oft unspektakulär. Typisch sind starker Durst, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, schneller Puls oder ein allgemeines Wegkippen der Leistungsfähigkeit. Das BIÖG nennt außerdem Verwirrtheit und Kreislaufprobleme als Warnzeichen. Wenn Sie solche Symptome spüren, ist die Tour nicht mehr der richtige Ort für Ehrgeiz. Setzen Sie sich in den Schatten, lockern Sie Kleidung und trinken Sie, sofern Sie wach und ansprechbar sind.
Besonders ernst sind gerötete, heiße und trockene Haut, Erbrechen, starke Kopfschmerzen, Bewusstseinsveränderungen oder Bewusstlosigkeit. Die BZgA beschreibt einen Hitzschlag als lebensbedrohlich. Dann zählt jede Minute. Bringen Sie die betroffene Person sofort aus der Hitze, kühlen Sie mit feuchten Tüchern, Wasser oder Luftzufuhr und rufen Sie den Rettungsdienst unter 112. Bei Bewusstlosigkeit bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage und warten Sie nicht ab, ob es von allein besser wird.
Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zwischen allgemeiner Erschöpfung und medizinischem Notfall. Ein bisschen Müdigkeit nach einer langen Tour ist normal. Verwirrtheit, Gangunsicherheit, Krampfanfälle, anhaltendes Erbrechen oder ein Kreislaufkollaps sind es nicht. Wenn Sie unsicher sind, behandeln Sie die Situation lieber als Notfall. Für Hitzeschäden ist ein zu spätes Reagieren riskanter als ein zu frühes Absetzen des Plans.
Besondere Vorsicht bei Herz- und Nierenerkrankungen
Hier ist der wichtigste Punkt: Bei Herz- und Nierenerkrankungen gelten andere Regeln als für gesunde Erwachsene. Das BIÖG schreibt ausdrücklich, dass Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen ihre Trinkmenge ärztlich abstimmen sollten. Die Ursache ist einfach: Zu viel Flüssigkeit kann bei eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion problematisch sein, weil der Körper sie nicht wie gewohnt verarbeitet. Das gilt besonders für Menschen mit fortgeschrittener Herzschwäche oder Dialyse.
Die Gesundheitsinformation des Bundes nennt bei fortgeschrittener Herzschwäche eine Verringerung der täglichen Flüssigkeitsmenge als häufig nötig. Das soll Wassereinlagerungen vorbeugen und Erschöpfung mindern. Bei chronischer Nierenerkrankung steht ebenfalls nicht automatisch mehr Trinken im Vordergrund. Wer dialysiert wird, soll laut gesund.bund.de in der Regel nicht zu viel trinken, weil die Nieren oft kaum noch Wasser ausscheiden und es sonst zu Wassereinlagerungen kommen kann.
Für Sie bedeutet das: Wenn Sie Herzschwäche, chronische Nierenerkrankung, Dialysepflicht, Wasseransammlungen, starke Blutdruckschwankungen oder eine salzarme beziehungsweise flüssigkeitsbegrenzte Therapie haben, planen Sie Sommerwanderungen nur mit medizinischem Plan. Klären Sie vor längeren Touren, welche Trinkmenge für Sie sinnvoll ist, ob Elektrolyte erlaubt sind und wie Sie bei Hitze Ihre Medikamente einordnen sollen. Das ist keine Übervorsicht, sondern der sichere Weg.
Auch Medikamente gehören in diese Planung. Das BIÖG empfiehlt, vor oder während einer Hitzewelle klären zu lassen, ob Arzneimittel durch Hitze beeinflusst werden. Manche Medikamente verändern Kreislauf, Durstgefühl oder Flüssigkeitshaushalt. Ändern Sie die Einnahme aber nicht eigenständig. Wenn Sie unsicher sind, ist eine kurze Rückfrage in der Praxis oder Apotheke deutlich besser als eine Tour mit falscher Annahme.
Praktische Checkliste für den Tourtag
- Tour realistisch wählen: Planen Sie bei Hitze kürzere Strecken, mehr Schatten und weniger Höhenmeter.
- Früh starten: Nutzen Sie die kühlen Morgenstunden und vermeiden Sie die heißeste Zeit zwischen 11 und 17 Uhr.
- Getränke mitnehmen: Nehmen Sie mehr Wasser mit, als Sie für eine normale Tour brauchen würden.
- Trinkrhythmus festlegen: Trinken Sie regelmäßig kleine Mengen und warten Sie nicht auf starken Durst.
- Passende Getränke wählen: Wasser, ungesüßter Tee, verdünnte Schorlen oder bei starkem Schwitzen natriumreiches Mineralwasser sind praktikabel.
- Leicht essen: Packen Sie wasserreiche, gut verträgliche Snacks ein, etwa Obst, Gemüse oder ein leichtes Brot.
- Auf Warnzeichen achten: Prüfen Sie regelmäßig Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwäche und Verwirrtheit.
- Pausen ernst nehmen: Suchen Sie Schatten, öffnen Sie Kleidung und kühlen Sie den Körper bei Bedarf aktiv.
- Keine Experimente: Testen Sie neue Elektrolytpulver, Energydrinks oder Nahrungsergänzungen nicht erstmals auf einer Hitzetour.
- Medizinische Sonderregeln einhalten: Halten Sie sich bei Herz- oder Nierenerkrankungen an Ihren individuellen Trinkplan.
Diese Liste ist bewusst einfach gehalten. Sie soll helfen, in der Praxis nicht über Details zu stolpern. Wenn Sie regelmäßig längere Touren gehen, lohnt sich ein persönlicher Standard: bestimmte Flaschengröße, feste Pausenpunkte, bekannte Snacks und ein klarer Plan für den Fall, dass das Wetter umschlägt. So wird Vorsorge zur Routine und nicht zur Last.
Häufige Fehler und was nach der Tour zählt
Ein häufiger Fehler ist, Wasser nur als Reaktion auf Durst zu sehen. Dann ist die Belastung oft schon zu groß. Ein anderer Fehler ist die Annahme, Elektrolytdrinks seien grundsätzlich besser als Wasser. Für die meisten Sommerwanderungen stimmt das nicht. Ebenso wenig ist es sinnvoll, sich mit stark gesalzenen Getränken oder Nahrungsergänzungsmitteln auf Verdacht zu versorgen, wenn keine medizinische Empfehlung dafür vorliegt.
Nach der Tour sollten Sie nicht sofort wieder auf Autopilot schalten. Trinken Sie weiter in Ruhe, essen Sie eine normale Mahlzeit und beobachten Sie, ob Schwindel, ungewöhnliche Müdigkeit oder Kopfschmerzen anhalten. Wenn Sie auffällig wenig Urin lassen, sich benommen fühlen oder nach der Belastung weiter krank wirken, ist das ein Grund für Rücksprache mit einer medizinischen Fachperson. Das gilt besonders dann, wenn Sie Vorerkrankungen haben.
Am Ende ist das Ziel nicht, möglichst viel zu trinken, sondern passend zu trinken. Für gesunde Menschen heißt das bei Sommerwanderungen meistens: rechtzeitig beginnen, regelmäßig nachlegen, mit Wasser und passenden Lebensmitteln arbeiten und Warnzeichen ernst nehmen. Für Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen heißt es zusätzlich: erst den medizinischen Rahmen klären, dann touren.
Quellen und weiterführende Informationen
- gesund.bund.de: Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit
- gesund.bund.de: Herzschwäche
- gesund.bund.de: Chronische Nierenerkrankung
- DGE: Referenzwerte für Wasser
- DGE: Getränke
- BIÖG: Was tun, wenn es zu heiß ist?
- BIÖG/BZgA: Bei Hitze sicher in Bewegung bleiben
Häufige Fragen
Reicht bei Sommerwanderungen einfaches Wasser aus?
Für die meisten Touren ja. Wasser plus normale Mahlzeiten decken den Bedarf meist gut ab. Bei starkem Schwitzen, langer Dauer oder großer Hitze können zusätzlich Brühe, leicht gesalzene Speisen oder natriumreiches Mineralwasser sinnvoll sein.
Brauche ich Elektrolytdrinks bei jeder längeren Wanderung?
Nein. Elektrolytdrinks sind nicht automatisch nötig. Sie können bei starkem Schwitzen eine Ergänzung sein, ersetzen aber weder eine gute Tourenplanung noch medizinische Beratung bei Herz- oder Nierenerkrankungen.
Woran merke ich, dass ich zu wenig getrunken habe?
Warnzeichen sind starker Durst, Schwindel, Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit, schneller Puls und Leistungseinbruch. Bei Verwirrtheit, heißer trockener Haut oder Bewusstseinsstörungen sollten Sie sofort Hilfe holen.
Sind Herz- und Nierenerkrankungen ein Grund, weniger zu trinken?
Häufig ja, zumindest bei fortgeschrittener Herzschwäche, chronischer Nierenerkrankung oder Dialyse. Dann muss die Trinkmenge individuell ärztlich festgelegt werden. Trinken Sie also nicht nach einer Pauschalregel, sondern nach Ihrem Behandlungsplan.
Darf ich Kaffee oder Tee auf einer Hitzetour trinken?
Ungesüßter Tee ist gut geeignet. Kaffee ist in moderaten Mengen möglich, ersetzt aber Wasser nicht. Alkohol ist als Durstlöscher ungeeignet und bei Hitze keine gute Wahl.
Was soll ich im Notfall bei Hitzschlag tun?
Bringen Sie die Person sofort aus der Hitze, kühlen Sie aktiv und rufen Sie 112. Bei Bewusstlosigkeit bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage und warten Sie nicht ab, ob es besser wird.
