Fieber richtig messen: Thermometer-Typen, Fehler vermeiden

Fiebermessen klingt banal, doch kleine Fehler können die Werte verfälschen. Erfahren Sie, welches Thermometer das beste ist und wie Sie richtig messen.

Ein modernes digitales Fieberthermometer auf weißem Hintergrund, das eine normale Temperatur anzeigt

Ein heißer Kopf, Schüttelfrost und ein allgemeines Krankheitsgefühl – Fieber ist oft das erste und deutlichste Warnsignal unseres Körpers. Es zeigt an, dass unser Immunsystem auf Hochtouren arbeitet, um Viren oder Bakterien abzuwehren. Fieber an sich ist also keine Krankheit, sondern ein wichtiger und gesunder Abwehrmechanismus. Oft ist es ein Begleitsymptom bei einer Erkältung oder Grippe.

Doch ab wann spricht man eigentlich von Fieber? Und wie misst man die Körpertemperatur so, dass man sich auf den Wert verlassen kann? Obwohl das Fiebermessen zu den alltäglichsten medizinischen Handgriffen gehört, passieren dabei erstaunlich viele Fehler. Ein falsches Thermometer, der falsche Messort oder der falsche Zeitpunkt können zu völlig verfälschten Ergebnissen führen. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, welche Thermometer-Typen es gibt, welcher für wen am besten geeignet ist und wie Sie typische Messfehler vermeiden.

Ab wann hat man Fieber? Die Temperatur-Skala

Die normale Körpertemperatur eines gesunden Menschen schwankt im Laufe des Tages. Morgens ist sie meist am niedrigsten, am späten Nachmittag erreicht sie ihren Höhepunkt. Zudem ist die Temperatur abhängig vom Messort (im Po gemessen ist sie immer etwas höher als unter der Achsel). Allgemein gelten folgende Richtwerte für Erwachsene:

  • 36,5°C bis 37,4°C: Normale Körpertemperatur
  • 37,5°C bis 38,0°C: Erhöhte Temperatur (Subfebril)
  • 38,1°C bis 38,9°C: Leichtes Fieber
  • 39,0°C bis 39,9°C: Hohes Fieber
  • Ab 40,0°C: Sehr hohes Fieber (Arzt aufsuchen!)

Hinweis für Kinder: Bei Babys und Kleinkindern steigt die Temperatur oft schneller und höher an als bei Erwachsenen. Hier gelten leicht abweichende Richtwerte, und ein Arztbesuch ist bei hohem Fieber schneller angeraten.

Thermometer-Typen im Vergleich: Welches ist das beste?

Die Zeiten der alten, zerbrechlichen Quecksilberthermometer sind zum Glück lange vorbei. Heute dominieren digitale Geräte den Markt. Doch welches Modell eignet sich für welchen Zweck?

Thermometer-Typ Vorteile Nachteile Empfohlen für
Digitales Kontaktthermometer Sehr genau, günstig, robust. Messung dauert relativ lange (ca. 30-60 Sekunden). Erwachsene, rektale Messung bei Babys.
Infrarot-Ohrthermometer Sekundenschnell, sehr komfortabel. Ungenau bei falscher Positionierung oder viel Ohrenschmalz. Kinder ab ca. 6 Monaten, Erwachsene.
Kontaktloses Stirnthermometer Hygienisch, Messung im Schlaf möglich. Anfällig für Umgebungstemperatur und Schweiß auf der Stirn. Schnelles Screening, schlafende Kinder.

Die Empfehlung der Experten: Für die genaueste Messung (den sogenannten Goldstandard) gilt nach wie vor die rektale Messung (im Po) mit einem digitalen Kontaktthermometer. Für den Alltag bei Erwachsenen und älteren Kindern ist das Ohrthermometer meist der beste Kompromiss aus Genauigkeit und Komfort.

4 Tipps & Fehler, die Sie vermeiden sollten

✔️ Vor der Messung ruhen: Messen Sie niemals direkt, nachdem Sie Treppen gestiegen sind oder sich körperlich angestrengt haben. Setzen oder legen Sie sich für mindestens 5 bis 10 Minuten ruhig hin, bevor Sie das Thermometer anlegen.
✔️ Den Messort beibehalten: Wechseln Sie während einer Krankheitsphase nicht den Messort. Wenn Sie morgens im Ohr messen und abends unter der Zunge, sind die Werte nicht vergleichbar. Bleiben Sie bei einer Methode.
⚠️ Fehler: Messung unter der Achsel. Die Messung unter der Achsel (axillar) ist die ungenaueste aller Methoden. Sie liegt oft 0,5 bis 1,0 Grad unter der tatsächlichen Körperkerntemperatur. Wenn Sie dennoch so messen, müssen Sie das Thermometer sehr fest einklemmen und deutlich länger warten.
⚠️ Fehler: Falsche Anwendung des Ohrthermometers. Der Infrarot-Sensor muss das Trommelfell „sehen“ können. Ziehen Sie die Ohrmuschel leicht nach hinten und oben, um den Gehörgang zu begradigen, bevor Sie messen.

Schritt-für-Schritt: So messen Sie richtig

  1. Vorbereitung: Stellen Sie sicher, dass Sie in den letzten 30 Minuten nichts Heißes oder Kaltes getrunken haben (wichtig bei oraler Messung) und sich nicht körperlich angestrengt haben.
  2. Reinigung: Reinigen Sie die Spitze des Thermometers vor und nach jeder Nutzung mit einem Alkoholtupfer (bei Kontaktthermometern) oder wechseln Sie die Schutzkappe (beim Ohrthermometer).
  3. Die Messung: Führen Sie die Messung gemäß der Anleitung Ihres Geräts durch. Warten Sie auf das akustische Signal.
  4. Dokumentation: Notieren Sie sich die Uhrzeit und den gemessenen Wert. Ein solcher Temperaturverlauf ist für den Arzt sehr hilfreich, falls sich Ihr Zustand verschlechtert. Eine gut sortierte Hausapotheke sollte immer ein funktionierendes Thermometer enthalten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sollte man Fieber immer sofort senken?

Nein. Fieber ist eine wichtige Abwehrreaktion des Körpers. Leichtes bis mäßiges Fieber (bis ca. 39°C bei Erwachsenen) muss nicht zwingend mit Medikamenten gesenkt werden, sofern Sie sich nicht extrem unwohl fühlen. Wichtig ist Bettruhe und viel trinken.

Wann muss ich mit Fieber zum Arzt?

Erwachsene sollten einen Arzt aufsuchen, wenn das Fieber über 39,5°C steigt, länger als drei Tage anhält oder von starken Schmerzen, Atemnot, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit begleitet wird.

Wie messe ich bei einem schlafenden Kind?

Hier eignet sich ein kontaktloses Stirnthermometer am besten, da das Kind nicht geweckt werden muss. Achten Sie darauf, dass die Stirn trocken ist (kein Schweiß) und halten Sie den vom Hersteller vorgegebenen Abstand ein.

Können Medikamente die Messung verfälschen?

Ja. Wenn Sie fiebersenkende Schmerzmittel (wie Ibuprofen oder Paracetamol) eingenommen haben, sinkt die Temperatur künstlich. Erwähnen Sie dies immer, wenn Sie Ihre Werte an einen Arzt weitergeben.

Fazit: Wer richtig misst, ist auf der sicheren Seite

Fiebermessen ist keine Raketenwissenschaft, erfordert aber ein gewisses Maß an Sorgfalt. Investieren Sie in ein gutes, zuverlässiges Thermometer und machen Sie sich mit dessen Bedienung vertraut, bevor Sie krank im Bett liegen.

Denken Sie daran: Die gemessene Temperatur ist immer nur ein Teil des Gesamtbildes. Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn das Thermometer nur 38°C anzeigt, Sie sich aber extrem schwach und krank fühlen, schonen Sie sich genauso, als hätten Sie 39°C. Im Zweifelsfall ist der Hausarzt immer der richtige Ansprechpartner.


Quellen und weiterführende Informationen

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Er ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Konsultieren Sie bei anhaltendem oder sehr hohem Fieber immer den Arzt Ihres Vertrauens.

Häufige Fragen

Welcher Thermometer-Typ misst am genauesten?

Am zuverlässigsten ist die rektale Messung mit einem digitalen Kontaktthermometer, besonders bei Säuglingen und Kleinkindern. Ohr- und Stirnthermometer sind bequemer, reagieren aber empfindlicher auf Anwendungsfehler.

Welche Fehler sollte ich beim Fiebermessen vermeiden?

Messen Sie nicht direkt nach dem Essen, Trinken, Sport oder einem Bad, da dies die Werte verfälschen kann. Achten Sie außerdem auf die korrekte Platzierung des Thermometers und eine saubere Linse bei Infrarotgeräten.

Ab welcher Temperatur spricht man von Fieber?

Üblicherweise gilt eine Körpertemperatur ab etwa 38 Grad Celsius als Fieber, während Werte um 37,5 Grad als erhöhte Temperatur gelten. Beachten Sie, dass die Messmethode den Wert beeinflusst.

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